Vorbereitung in Kalifornien

Hallo zusammen,

das letzte Trainingslager des Jahres liegt hinter und eine ganz besondere Saison vor uns! F√ľr knapp drei Wochen haben wir an der kalifornischen Pazifikk√ľste unser Lager aufgeschlagen. Zun√§chst “besuchten” wir im sehr entspannten und sch√∂nen, aber auch etwas noblen Santa Barbara die amerikanischen Olympiasieger Rogers/Dalhausser, im Anschluss folgte noch eine Woche im knapp zwei Autostunden s√ľdlich gelegenen Hermosa Beach, einem der sch√∂nsten, aber auch “hippsten” Str√§nde von Los Angeles.

Die Anreise war mal wieder nicht ganz so kurz, aber verglichen mit Neuseeland immer noch ein Kurztrip. Nach zweimaligem Umsteigen in Charlotte und Phoenix landeten wir noch am selben Tag, aber ziemlich ermattet in Santa Barbara. Es erwartete uns ein sehr komfortables Haus mit Au√üendusche, BBQ, Kabelfernsehen (mit allen NBA-Kan√§len) und Geschirrsp√ľlmaschine…! Es lie√ü sich also ganz gut aushalten, wenngleich unsere nebenan wohnenden Vermieter nicht ganz so einfach waren (es trudelten sehr f√ľrsorgliche E-Mails (!) mit dem Wortlaut ein: “K√∂nnt ihr bitte noch die die Liegen mit den Schutzbez√ľgen √ľber Nacht abdecken” oder “Habt ihr nach der Nutzung des Grills das Gas wieder zugedreht?”). Wir k√§mpfen noch heute wegen im Haus zur√ľckgelassenem Sand (v√∂llig untypisch f√ľr Beachvolleyballer…) um die R√ľckzahlung unserer Kaution…

W√§hrend wir an den meisten Tagen am East-Beach am Naturstrand trainierten, lud uns Todd Rogers an einem Tag zum Training und anschlie√üendem BBQ zu sich nach Hause ein. Was soll man sagen, wenn jemand ein Anwesen inmitten von Weinbergen mit eigenem Beachvolleyballfeld, gro√üem Garten und noch gr√∂√üerem Haus sein Eigen nennt? – “Herzlichen Gl√ľckwunsch”!!

In der zweiten H√§lfte unseres Trainingslagers zog es uns an die Str√§nde von Los Angeles und wir begegneten einem v√∂llig anderem Schlag Mensch. W√§hrend es in Santa Barbara eher ruhig und fast schon spie√üig zuging, ist Hermosa Beach mit seinem unfassbaren Strand zwar nicht weniger sch√∂n, aber die beste Seite von LA ist eben auch wesentlich lebhafter und es herrscht schon eine ganz besondere Atmosph√§re. Wer einen festen Wohnsitz in Hermosa hat, scheint von Natur aus erfolgreich, gut aussehend und selbstbewusst zu sein – insbesondere aus der Eigenperspektive. Die Leute wollen alles sein, nur nicht durchschnittlich und langweilig. Man hat den Eindruck, dass jeder etwas besonderes verk√∂rpern m√∂chte und somit begegnet man insbesondere in Strandn√§he den skurrilsten Erscheinungen: Personen auf allen bekannten und unbekannten Varianten von Fortbewegungsmitteln, Barfu√ül√§ufern, lauthals singenden Joggern, Tr√§gern jeglicher Arten von Kopfschmuck sowie Personen, die aus √úberzeugung nur einen Schuh (daf√ľr mit Kniestr√ľmpfen) tragen – alles ist erlaubt, Hauptsache man exponiert sich! Passend dazu auch die nicht ganz ernst gemeinte Antwort einer nach LA umgesiedelten Freundin von Julius (und Architektin) auf die Frage einer Einheimischen nach ihrem Beruf: “Model und Schauspielerin” – “das sagt man hier doch als Frau…!” Das folgende Photo zeigt √ľbrigens den Strand von Hermosa unmittelbar nach Durchzug eines Sturmtiefs – daher die Menschenleere und die ungew√∂hnliche Sandmusterung…

Es k√∂nnte nun der Eindruck entstehen, dass es uns/mir in Hermosa nicht gefallen hat – dem muss ich vehement widersprechen!! Das Leben dort ist angenehm, trotz der vielen Leute entspannt, der Strand ist riesig und die Skurrilit√§t der Leute ist mehr erheiternd denn unangenehm! √Ąhnliche Beobachtungen konnten wir dann auch am letzten Tag unseres Aufenthalts in LA machen, denn wir kamen in den Genuss, das Spiel der Lakers gegen Nowitzkis Mavericks anzuschauen. Zuf√§lligerweise hat die Mutter eines Beachvolleyballers eine tragende Funktion bei den Lakers, f√ľr die sein Vater jahrelang auch noch auf Korbjagd ging. Somit konnten wir aus n√§chster N√§he das Spiel und den K√∂rperschmuck der Spieler beobachten, denn auch auf dem Spielfeld war der (west)amerikanische Hang zur Exzentrik deutlich sichtbar. W√§hrend Dirk lediglich durch sein Spiel herausragte, versuchte die Mehrheit der weiteren Akteure durch √Ąu√üerlichkeiten hervorzustechen: Tattoos bis zum Abwinken, drei (!) Paar √ľbereinander getragene Str√ľmpfe unterschiedlicher L√§ngen, bunte Stirn-, Handgelenks-, Knie-, Ellbogen und Oberarmb√§nder in diversen Variationen und nat√ľrlich ein Repertoire an Gestik und Mimik, dass jedem der am Seitenrand sitzenden Schauspielern zur Ehre reichen w√ľrde! Es war jedoch f√ľr uns ein sensationelles Ereignis, solch gro√üartige Sportler einmal aus n√§chster N√§he anschauen zu k√∂nnen, leider ging das Match in Overtime vor 20.000 Zuschauern an die Heimmannschaft (In dem folgenden Video hatte Dirk die M√∂glichkeit, die Overtime zu verhindern und den Sieg einzufahren)!

Crunchtime-Video

Nach unserer R√ľckkehr aus dem Trainingslager sollte eigentlich die Saison mit einem Turnier in Polen losgehen, doch leider muss ich derzeit mit Schulterproblemen passen. Ich bin aber guter Dinge, schon bald wieder ins Turniergeschehen eingreifen zu k√∂nnen!

Ich verabschiede mich mit einem Photo des Tages, bei dessen Ansicht insbesondere die Herzen von Oldtimerfreunden h√∂her schlagen d√ľrften. Sehr zur Freude von Julius findet man im trockenen Kalifornien noch eine gro√üe Auswahl an betagten Autos, auch wenn die Modelle auf diesem Bild in erster Linie als Ersatzteillieferanten dienten.

Beste Gr√ľ√üe,

Euer Jonas

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Eine Antwort auf Vorbereitung in Kalifornien

  1. Jon Ackerman sagt:

    Hi Jonas, how are you? You may not remember but we met last summer at the World Championships in Rome, where I was doing research for NBC, the American TV broadcaster (I interviewed you in the training room after one of your matches). I was wondering why you and Julius had yet to compete on the World Tour, so I did a Google search, found your blog, and although the translation may not be perfect, I understand you are having shoulder problems? I’m curious, what is the injury and how much longer do you think you’ll be out? I write for NBCOlympics.com and would like to post a story about you guys to update our readers on the condition of a top medal contending team. I hope to hear from you soon.

    Thank you,
    Jon Ackerman

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