RĂŒckflug aus Teneriffa

Hallo zusammen,

Derzeit befinde ich mich auf dem RĂŒckflug aus dem Teneriffa-Trainingslager. Eigentlich wĂ€re jetzt ein RĂŒckblick ĂŒber die beiden vergangenen Trainingslager von Fuerteventura und eben Teneriffa an der Reihe aber ich habe mich entschieden, lieber ĂŒber ein anderes Thema zu schreiben. Dieses gehört nicht unbedingt zu der sonst ĂŒblichen Kategorie “lustig-leicht” aber bei der augenblicklichen ĂŒberregionalen Nachrichtenlage möchte ich mich dieses Mal etwas ernsteren Dinge widmen.
Seit einiger Zeit schon lĂ€sst mich das GefĂŒhl nicht mehr los, dass ich entweder immer schneller Ă€lter werde oder sich in immer kĂŒrzerer Abfolge Dinge in der Welt ereignen, die ĂŒber den Status einer reinen Randnotiz hinausgehen. Hiermit meine ich ausdrĂŒcklich nicht solche Dinge wie die Guttenberg-AffĂ€re, wenngleich man die Berichterstattung hierĂŒber durchaus einer kritischen Betrachtung unterziehen könnte, denn der Tod deutscher Soldaten in Afghanistan war auf einmal weniger bedeutsam als die Frage ob auf jeder zweiten oder nur jeder dritten Seite der Doktorarbeit falsch oder auch gar nicht zitiert wurde.
GrubenunglĂŒcke, Erdbeben, Tsunamis, Hurrikans, Schneemassen, Ölpest, VulkanausbrĂŒche, atomare UnfĂ€lle, Überschwemmungen, RegimeumstĂŒrze: Ich brĂ€uchte jetzt hier im Flieger eigentlich Internet, um auch nur ansatzweise die Ereignisse aufzĂ€hlen zu können, die in den letzten 12 Monaten weltweite Aufmerksamkeit und Bedeutung nach sich zogen.
Obwohl ich in meinen BlogbeitrĂ€gen bekanntermaßen von meinem Alltag als Beachvolleyballprofi (abseits der Courts) berichte, möchte ich dies zum Thema meines Blogs machen. Mir ist bewusst, dass ich einen schmalen Grat betrete, wenn ich von persönlichen Lappalien berichte, wĂ€hrend an den Orten der Ereignisse tausende Menschen starben, obdachlos wurden oder ganze Staaten vor dem Zusammenbruch stehen.
Ich möchte an dieser Stelle lediglich einige selbst erfahrene, der aus meiner Sicht zahlreichen Auswirkungen dieser meist in tausenden Kilometern Entfernung geschehenen Ereignisse aufzÀhlen.
Aus meiner Sicht ist es wichtig zu sehen, dass die Auswirkungen dieser Katastrophen nicht lokal begrenzt sind, sondern auch mehr oder weniger stark ausgeprÀgt den Alltag oder auch Reisegewohnheiten auf der ganzen Welt beeinflussen.

Knapp ein Jahr ist es her, dass der Flugverkehr in ganz Europa ĂŒber mehrere Tage stillstand, weil auf Island ein Vulkan ausgebrochen war, dessen Namen ich im Augenblick nicht fehlerfrei schreiben kann. Damals saßen wir zunĂ€chst wie Millionen von weiteren Flugreisenden fest und kamen nur mit sehr viel GlĂŒck und Ausdauer noch rechtzeitig zu einem Turnier in Brasilien (Wer Lust hat kann den Irrweg dorthin hier nachlesen).Artikel ansehen

Im Januar und Februar waren wir dann im Trainingslager in Neuseeland und Australien. Auch hier stimmten uns Naturkatastrophen nachdenklich: In Australien kam es kurz vor und wĂ€hrend unseres Trainingslagers im Nordwesten zu den grĂ¶ĂŸten Überschwemmungen aller Zeiten, ganze Landstriche waren von der Außenwelt abgeschnitten, StĂ€dte ĂŒberflutet, FlughĂ€fen geschlossen. Wir hatten GlĂŒck, denn Sydney liegt zwar fĂŒr australische GrĂ¶ĂŸenordnungen nur knapp sĂŒdlich des Katastrophengebiets aber dennoch weit genug entfernt, um nicht direkt betroffen gewesen zu sein.

Kurz nach unserer RĂŒckkehr nach Deutschland ereignete sich dann ein verheerendes Erdbeben in Neuseeland. Die grĂ¶ĂŸte Stadt der SĂŒdinsel, Christchurch, wurde weitestgehend zerstört, viele tausend Menschen starben bzw. wurden obdachlos, der Wiederaufbau wird mehrere Jahre dauern.

Ebenfalls in diesem Zeitraum begannen die ersten gewaltsamen Proteste und Unruhen in Nordafrika, genauer gesagt zunĂ€chst in Tunesien. Auch deren Auswirkungen trafen Europa nicht nur auf politischer Ebene: Ferienregionen in Ägypten und Tunesien waren nicht mehr sicher, insbesondere die Kanaren dienten als Ersatzziel fĂŒr Urlauber. Es war schwieriger als gewöhnlich, Hotels und FlĂŒge zu buchen und leider versuchten die Reiseveranstalter auch noch Kapital aus den Ereignissen zu schlagen. Normalerweise werden FlĂŒge, insbesondere die der “Billigflieger”, immer teurer je nĂ€her der Abflugtag rĂŒckt. In diesem Fall kostete aber das Ticket unseres Trainers zum Buchungsdatum im Februar mehr als doppelt (!) so viel wie bei einer Testbuchung des gleichen Fluges zwei Tage vor der Abreise. Es ist zwar nur eine Vermutung aber der Verdacht liegt nahe, dass die Fluggesellschaften die Tatsache ausnutzten, dass viele Urlauber die eine Reise zB nach Tunesien oder Ägypten organisiert hatten nun kurzfristig neu buchen mussten.

Vor vier Wochen dann in Japan die verheerende Abfolge von Erdbeben, Tsunami und atomarer Katastrophe die sogar den Krieg in Libyen fĂŒr Tage in den Hintergrund drĂ€ngten. Jedes Ereignis fĂŒr sich ist schon verheerend genug aber die Kombination und deren Folgen sind kaum fassbar und schon gar nicht zu beseitigen. Angesichts der Ereignisse in Japan fĂ€llt es noch etwas schwerer, es als Problem zu bezeichnen, dass sich viele Beachvolleyballer (und natĂŒrlich auch andere Sportler und GeschĂ€ftsreisende) darĂŒber Gedanken machen, ob sie zu einem Turnier nach Shanghai reisen sollten. Zwischen Shanghai und Fukushima befindet sich zwar noch das chinesische Meer aber eben auch “nur” knapp 2000 Kilometer Distanz und dass in China schon mal Inhaltsstoffe in die Nahrungskette gelangen die dort eigentlich nicht hingehören (zB auch das Dopingmittel Clenbuterol) nimmt einem nicht unbedingt die Angst vor gesundheitsschĂ€dlicher, weil verstrahlter, Lebensmittel.

Mir ist es nur wirklich wichtig noch einmal anzumerken, dass dieser Text nicht aufgefasst werden soll als Dokument wie arg gebeutelt wir Vielreiser durch die Katastrophen in aller Welt seien!  Der mir persönlich entstandene Schaden geht gegen Null und dennoch hat die subjektiv wahrgenommene HĂ€ufigkeit der genannten Ereignisse wohl zu der EinschĂ€tzung beigetragen, dass man nie sagen kann und sollte: “Zum GlĂŒck ist das weit weg, das betrifft uns nicht”.

Beim nĂ€chsten mal stehen dann hoffentlich wieder erfreulichere und leichter verdauliche Dinge im Fokus, ich wĂŒnsche allen Lesern eine schöne Woche,
Euer Jonas

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