Neuseeland

Guten Morgen, Guten Abend oder Gute Nacht!

Alles kann richtig sein, es kommt nur auf den Standpunkt an. Meiner ist im Augenblick zeitlich genau 12 Stunden von Mitteleuropa versetzt, w√ľrde man irgendwo in Spanien ein 12.700 km tiefes Loch buddeln, w√ľrde man an diesem Strand etwa hinauskommen.

The Mount

Dieses Bild zeigt einen Teil des kilometerlangen Sandstrandes s√ľdlich des Mount Maunganui, gelegen an der Ostk√ľste der Nordinsel von Neuseeland. Am Fu√üe des erloschenen Vulkans verbringen wir gerade mit Teams aus Neuseeland, Frankreich und Holland den ersten Teil unseres 5-w√∂chigen Trainingslagers in Neuseeland/Australien. Das Leben hier ist – zumindest abseits des Trainingcourts – in etwa so entspannt wie es das Bild vermittelt. Unter anderem deshalb haben wir den weiten Trip nach Ozeanien einem Trainingsaufenthalt in Rio vorgezogen, denn dort wurde das t√§gliche Leben in den vergangenen Jahren nicht nur immer teurer, sondern vor allem auch etwas anstrengender weil nicht g√§nzlich ungef√§hrlich. Zwar werden auch hier schon mal Straftaten ver√ľbt worden sein und auch das Preisniveau gleicht in etwa dem in gediegeneren Gegenden Deutschlands, doch f√ľhlt man sich hier absolut sicher und wohl.

Grund daf√ľr ist vermutlich die Mischung aus der entspannten, fr√∂hlichen und freundlichen Atmosph√§re einer kleineren K√ľstenstadt, gutem Wetter, sowie einem sehr netten und zuvorkommendem Menschenschlag. Doch, doch, auch Neuseeland wurde von den Engl√§ndern besiedelt aber im Gegensatz zu Mallorca scheint diese Insel andere Instinkte geweckt zu haben ;)

Die meisten Einwohner des nicht sehr dicht bewohnten Landes (Einwohnerdichte Deutschlands ist ca. 14 mal h√∂her) sehen also entweder sehr britisch aus oder geh√∂ren zur Abstammungslinie der Maori die als Polynesier – noch vor den Engl√§ndern – im 14. Jahrhundert diese Inselgruppe entdeckten und besiedelten. Dies soll aber auch schon gen√ľgen als Mix aus Halb- und Wikipediawissen, stattdessen kann ich mal kurz erw√§hnen wie es dazu kam, dass Julius und ich bereits 5 Minuten nach der Landung in Neuseeland aktenkundig geworden sind und streng genommen eine Straftat begangen haben.

Sehr m√ľde bin ich letzte Woche aus dem Flieger gestiegen und hatte noch kurz √ľberlegt ob ich auf Julius warten soll aber der sch√§lte sich noch vom Tiefschlaf benommen aus seinem Sitz und musste sich erst mal ein wenig sortieren. Somit ging ich also schon mal vor in Richtung Passkontrolle obwohl ich aus diversen Berichten in Privatfernsehdokumentationen wusste, dass zumindest die Z√∂llner und Sicherheitsbeamten an deutschen Flugh√§fen am ehesten diejenigen Reisenden am auff√§lligsten finden und gerne mal genauer kontrollieren, die mittleren Alters sind und alleine reisen. Mittlerweile erf√ľlle ich beide Kriterien und dass die Augen der Beamten am anderen Ende der Welt √§hnlich geschult werden, wurde mir dann auch nach gerade einmal 50 Metern auf neuseel√§ndischem Boden noch vor der eigentlich Kontrolle klar. Freundlich aber verbindlich wurde ich befragt woher ich komme, was ich vorhabe und wie meine Adresse lautet. H√∂rt sich zwar an wie eine billige Anmache, passte aber nicht zu Uniform und Tonfall. Ich war zwar sehr ersch√∂pft, wollte nur noch den Mietwagen abholen und Kurs auf unseren Zielort nehmen, doch ich riss mich noch mal zusammen. Ich betonte sofort, dass ich nicht alleine reisen w√ľrde und beantwortete artig und freundlich alle Fragen. Als ich unbehelligt weiter gehen durfte, dachte ich schon, dass die letzte H√ľrde vor dem Stempel in meinem Pass genommen worden w√§re aber 30 Schritte weiter fing mich dann sein Kollege ab – vermutlich √ľber Funk informiert worden. Dieser fragte mich ob ich Medikamente wie zum Beispiel Schmerz- oder Schlaftabletten dabei h√§tte. Ersteres konnte ich guten Gewissens verneinen, letzteres allerdings nicht – auch wenn ich so aussah als h√§tte ich garantiert auf dem Flug keine Schlafunterst√ľtzung gehabt…! Daraufhin legte sich seine Stirn ein wenig in Falten, er bat mich mitzukommen und nahm auch gleich Julius noch mit, der mittlerweile zu uns aufgeschlossen hatte.

In einem separaten Raum wurden wir dann gebeten, unsere Medikamente vorzuzeigen und staunten nicht schlecht als man uns sagte, dass Schlaftabletten in Neuseeland als Drogen klassifiziert werden und man jetzt leider einen Polizisten rufen m√ľsse, der den Fall dann aufnimmt, da wir auch kein Rezept f√ľr die Schlaftabletten bei uns gef√ľhrt haben. Die Adrenalinrestbest√§nde in meinem K√∂rper wurden angezapft und auf einmal hellwach schwirrten mir diverse Gedanken durch den Kopf. Noch bevor ich mich entscheiden konnte was schlimmer w√§re: Gef√§ngnis oder sofortige R√ľcksendung ins nasskalte Deutschland wurden uns die gr√∂√üten Sorgen erst einmal genommen: Dies sei nichts Un√ľbliches, ausl√§ndische Touristen kennen dieses Gesetz fast nie und es sei alles halb so wild, m√ľsse jedoch korrekt ablaufen und polizeilich aufgenommen werden. Es wurden Notizen gemacht, festgehalten, dass wir kooperiert haben und anschlie√üend kam ein leicht gelangweilter Vortrag des Officers. Zum Gl√ľck hatte uns eine nette Dame von der Emigrationsbeh√∂rde darauf aufmerksam gemacht, dass wir nicht erschrecken sollten, wenn wir im Laufe des Gespr√§chs gefragt werden ob wir einen Anwalt anrufen m√∂chten, das geh√∂re zum Protokoll. Somit h√∂rten wir dann schon etwas gelassener zu und nahmen die Verwarnung zur Kenntnis, bei Wiederholung w√ľrden wir mit einer Geldstrafe bedacht. Es folgte ein √§hnlicher f√∂rmlicher Vortrag von der Einreiseleiterin, diese drohte f√ľr den Wiederholungsfall mit einem Einreiseverbot.

Letztendlich war alles gar nicht so schlimm, ich habe mich nur ziemlich ge√§rgert, denn h√§tte ich mal meine Schlaftablette w√§hrend des Flugs genommen (hierf√ľr war sie ja gedacht), w√§re ich vermutlich zum einen etwas weniger ger√§dert gewesen und zum anderen h√§tte ich mir diverse Belehrungen und 90 Minuten Aufenthalt im Flughafengeb√§ude sparen k√∂nnen…
Letztendlich durften wir dann aber doch weiter in Richtung Mietwagenstation und bekamen w√§hrend der etwas mehr als zweist√ľndigen Fahrt zu unserem Zielort schon mal eine kleine Kostprobe dieses wundersch√∂nen, abwechslungsreichen Landes.

Wir bleiben noch ein paar Tage hier bevor es weitergeht in Richtung Sydney, genauer gesagt “Manly Beach” – auch ein nettes Fleckchen!

Von dort melde ich mich dann mit dem nächsten Bericht Рhier wird dann auch erklärt, warum es im Haus unseres Trainers zu einem tragischen (tierischen) Todesfall gekommen ist.

Viele Gr√ľ√üe aus Mount Maunganui
Euer Jonas

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