Lemgo, Lage, Bielefeld!

Lemgo, Lage, Bielefeld – nichts gegen die netten St├Ądte Ostwestfalens aber etwas anders h├Ątte ich mir meinen Urlaub schon vorgestellt! Bevor ich jedoch ab heute wirklich in St├Ądte mit – nun ja – etwas gr├Â├čerer Anziehungskraft reise, musste ich mir die anscheinend erst noch verdienen. Um der Gro├čbaustelle A2 eins auszuwischen habe ich mich also f├╝r die Deutsche Bahn als Reisemittel der Wahl entschieden und muss vielleicht als erstes einmal loswerden, dass ich im Gegensatz zu einem Gro├čteil unserer Bev├Âlkerung ┬ágerne und wenig meckernd auf Schienen quer durch Deutschland unterwegs bin – zumindest wenn man nicht umsteigen muss und auch erst ab 400 km Entfernung, denn sonst bin ich noch lieber mit meinem smart unterwegs! 

Um so nachdenklicher stimmt es mich, was ich diesmal auf meiner Reise von Berlin ├╝ber Zwischenstopp in Ostwestfalen ins Rheinland erleben durfte und spiegelt gleichzeitig wohl besser als jedes ├╝berzeichnete Klischee ein St├╝ck der Mentalit├Ąt unseres Landes wieder. Alles begann damit, dass mir im sch├Ânen Lemgo auffiel, dass ich meine Bahncard zu Hause liegen gelassen hatte. (DAS ist nat├╝rlich noch eher typisch f├╝r mich denn f├╝r die Gesamtbev├Âlkerung). 

Ich hatte noch ein wenig Zeit bis zur Abfahrt des Zuges Richtung kulturellem Epizentrum Bielefeld – was wiederum eher untypisch ist f├╝r mich…! Daher wollte ich das Reisezentrum in meine Gedankeng├Ąnge mit einbeziehen ob ich mir nun eine normale Fahrkarte kaufen sollte, um mir sp├Ąter das Geld zur├╝ckzuholen oder die Erm├Ą├čigte, um auf einen netten Kontrolleur zu hoffen bzw die Bahncard sp├Ąter am Reisezentrum nachzureichen. 

Schnurstracks steuerte ich also auf eine fachkundig aussehende Frau am Schalter zu und erl├Ąuterte ihr mein Dilemma. Zwar kam ihr das Problem bekannt vor, doch wollte sie sich f├╝r ihre eigentlich sehr schlaue Idee kurz absichern und rief den Bahncardservice an. Erstaunlicherweise hob dort auch Jemand nach weniger als 10 Minuten ab (vermutlich haben Reisezentren Standleitungen…) und unterst├╝tzte meine Ansprechpartnerin in ihrem intelligenten wie simplen Plan: Erm├Ą├čigtes Ticket kaufen und dem Kontrolleur im Zug dann anbieten, beim Bahncardservice anzurufen, die dann wiederum ihre Daten mit denen von meinem Personalausweis abgleichen sollen. Zwei Bahnmitarbeiterinnen mit einer ├╝bereinstimmenden Auskunft, dazu noch beim Hinausgehen der pfiffige Hinweis, doch erst mal so zu tun als suche man die Bahncard – kurzfristig belegte die DB in meiner nach oben offenen Sympathieskala f├╝r Nichtlebewesen einen Platz nur noch knapp unter den drei Fs: FC, Fahrst├╝hle, Feierabend! 

Somit schwebte ich in die Regionalbahn Richtung Bielefeld, es machte mir auch noch nichts aus, dass anscheinend s├Ąmtliche Schulen Lemgos gleichzeitig ihren Tagesbetrieb einstellten und ich somit einen ├Ąhnlichen Aktionsradius wie in der K├Âlner S├╝dkurve hatte, nur die Stimmung war nat├╝rlich etwas schlechter – zumindest verglichen mit der Zeit VOR dem Anpfiff im Rheinenergiestadion aber das ist ein anderes Thema… 

In Bielefeld bestieg ich dann einen Zug der mehr als 5 Kilometer ohne Stopp zur├╝cklegte, musste daf├╝r aber auch meine Fahrkarte vorzeigen. Siegessicher reichte ich dem Herrn das Dokument und erkl├Ąrte ihm, mein Handy w├Ąhlbereit im Anschlag, die Situation. Die erste kleine Falte legte sich auf meine Stirn als derer 20 ├╝ber der Nase meines Gegen├╝bers zum Vorschein kamen. Trotz meiner offen zur Schau getragenen Selbstsicherheit und dem Repetieren der Aussagen der DB-Frauen vom Hauptbahnhof Lemgo lie├č sich der Kontrolleur zu keiner Entscheidung durchringen. Er lie├č mich dar├╝ber im Unklaren ob er mir oder dem br├╝chigen Handynetz der handels├╝blichen ICE nicht glaubte, sondern teilte mir nur mit, dass er mit seinem Kollegen die Sache besprechen wolle. 

Soviel demokratisches Denken h├Ątte ich der DB gar nicht zugetraut aber ich blieb weiterhin optimistisch! 

 

In Hamm wurde dann nicht nur der Zug geteilt, sondern auch das DB-Personal ausgetauscht – und die Einwechselspieler belebten auch prompt das (Possen)Spiel! Mein neuer Reiseleiter hielt sich n├Ąmlich strikt an die taktischen Anweisungen seiner Vorgesetzten, im Fu├čball w├╝rde man ihn wohl mit dem Typ “Jeremies” oder “Ramelow” (f├╝r die J├╝ngeren unter uns, auch m├Âglich: “Maik Franz”) gleichsetzen: Keine Kreativit├Ąt aber gnadenlos im Zweikampf! Er ging weder auf Finten, Diskussionen noch Argumente ein sondern repetierte immerzu seinen Satz: “Wer seine Bahncard vergisst muss ein normales Ticket kaufen und kann sich sp├Ąter nach Entrichtung der 7 ÔéČ Bearbeitungsgeb├╝hr die H├Ąlfte des Ticketpreises r├╝ckerstatten lassen”! Diesen Satz h├Ârte ich mir vier mal als Antwort auf unterschiedlichste Fragevariationen oder Vorschl├Ąge meinerseits an. Ich ├╝berlegte kurz ob ich mal schauen sollte wie h├Ąufig er den Satz hintereinander aufsagen kann, belie├č es dann jedoch bei einem resignierten Kopfsch├╝tteln. 

Nun kann ich mit so viel Borniertheit nur sehr schlecht umgehen und ├╝berlegte verzweifelt wie ich zumindest mit einem etwas besseren Gef├╝hl die Sache beenden k├Ânnte. ├ťbertragen auf den Gegenspieler von Jens Jeremies w├╝rde das wohl bedeuten: “Er hat mich zwar schachmatt gesetzt obwohl ich die besseren Ideen hatte aber vielleicht kann ich wenigstens noch eine Gelb-Rote-Karte gegen ihn erwirken”. Leider kam ich jedoch auf keine Idee die einen Platzverweis nach sich ziehen w├╝rde (Ist auch schwierig bei einem Ausw├Ąrtsspiel ohne Schiedsrichter) und so hielt sich meine Genugtuung in Grenzen als ich ihm die 24,50 ÔéČ Nachzahlung in einem Schein und ca 35 Kleinstm├╝nzen ├╝berreichte, Letztere klaubte ich in einer 2-min├╝tigen Prozedur aus s├Ąmtlichen Taschen zusammen. 

Bei der ganzen Sache ging es mir weniger um die Nachzahlung von 7 ÔéČ (bringt ja hoffentlich auch einen Lerneffekt mit sich) als mehr um das leider nicht untypische Verhalten bei der DB: Die eine Hand wei├č nicht was die andere tut, man bekommt immer wieder unterschiedliche Aussagen, b├╝rokratische Regeln gelten mehr als der gesunde Menschenverstand und sp├Ątestens beim Gang zur R├╝ckerstattung merkt man was die Aktion vor allem gekostet hat: Zeit und Nerven!

Somit wurde die DB in der erw├Ąhnten Sympathieskala nach kurzem Zwischenhoch auch gleich wieder heruntergestuft und so befindet sich die Bahn passender Weise nun eher am Ende der Tabelle in der Region der drei anderen B┬┤s: Bayer(n), Beckenbodenbehandlungen und Butters├Ąure! 

Zum Gl├╝ck ruft jetzt aber auch noch ein anderes B und das lautet “Brasilien”. Diesmal hoffentlich ungehindert von Aschewolken fliegen wir zun├Ąchst an den ├äquator in den Norden des Landes, spielen dort ein von RedBull organisiertes Event “Nord- gegen S├╝dhalbkugel” und anschlie├čend geht es dann direkt weiter in den Urlaub nach Nevada und Kalifornien!

 

Bevor ich noch weiter f├╝r Missstimmung unter den Bloglesern sorge wegen Anstiftung zum Neid beende ich jetzt diesen Beitrag, packe die letzten Dinge und d├╝se Richtung Frankfurter Flughafen 

Ich bin dann mal weg,
Euer Jonas

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Eine Antwort auf Lemgo, Lage, Bielefeld!

  1. Ein sehr sch├Âner und informativer Beitrag. Ich freue mich schon auf weitere Berichte in diesem Blog. Wirklich sehr interessant. Vielen Dank. Bei Gelegenheit schau ich mal wieder vorbei, da freue ich mich schon drauf und bin sehr gespannt was es neues zu entdecken gibt.

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