Die sch├Ânen und nicht so sch├Ânen Seiten des Beach-Volleyballs

Hallo zusammen,

die Saison hat begonnen, nach fast 5 Wochen leben aus dem Koffer, war ich froh, als gestern die Haust├╝r hinter mir zufiel. Wir Beach-Volleyballer haben schon einen coolen Job, ich will mich nicht beschweren, aber manchmal auch einen echt anstrengenden. Knapp 40.000 km haben wir zur├╝ckgelegt in dieser Zeit. Nach meiner Karriere werde ich es sicher vermissen, das viele Reisen, aber f├╝r den Moment kann ich mir nichts Sch├Âneres vorstellen, als f├╝r ein paar Tage ein Bisschen den Alltag zuhause zu genie├čen. Ist schon ein Luxus, das Wasser aus der Leitung zu trinken, beim B├Ącker nebenan ein sch├Ânes Vollkornbrot zu kaufen und bei unfassbaren 30 Grad am Weiher blauen Himmel und gl├╝ckliche Enten zu beobachten.

Foto privat: "Beach-Volleyball Idylle" - Schnappschuss aus Rio de Janeiro/BRA...

Wem zuhause mal wieder die Decke auf den Kopf f├Ąllt, dem rate ich sich mal zwei Wochen in China durchzuschlagen, danach kommt einem das Zuhause wie das Paradies auf Erden vor.

Aber von vorne. Los ging unser Flieger Anfang April nach Rio de Janeiro f├╝r unser Abschlusstrainingslager. Ein wirklich sch├Ânes Fleckchen Erde. Vor allem f├╝hlte man sich, als ob die Stadt nur f├╝r Beach-Volleyballer gebaut worden w├Ąre…zumindest der Ipanema-Teil. Wegen des anstehenden ersten Tourstopps in Brasilia war quasi die ganze World Tour am Strand. Egal zu welcher Tageszeit man an den Strand kam, man sah nur bekannte Gesichter und bunte B├Ąlle (siehe Foto oben).

Von da aus ging’s dann weiter in die Hauptstadt. Mit 1092m ├╝ber dem Meeresspiegel der h├Âchste Tourstopp, knapp dahinter Gstaad in der Schweiz mit 1050m. Das macht sich auch bemerkbar, an der Flugbahn des Balles! Der fliegt wegen des geringeren Luftwiderstandes oft mal einen Meter weiter. Und nach langen Ballwechseln, das macht sich bemerkbar durch keuchende Schnappatmung…vor allem, nachdem ja in diesem Jahr die 12 Sekunden-zwischen-den-Ballwechseln-Regel sehr streng von den Schiedrichtern umgesetzt werden sollte.

So kam es dann auch dazu, dass ich in unserem ersten Spiel noch keinen Ball ber├╝hrt hatte und wir schon eine gelbe Karte, eine rote Karte und einen 0:2 R├╝ckstand zu verbuchen hatten. “Okay”, dachte ich, “herzlich willkommen in der neuen Saison!” Es trug sich wie folgt zu: Laura schl├Ągt auf, ich blocke diagonal, die Russin macht einen Longline-Shot ins Aus. Man muss dazu sagen, es war nicht einfach ein normaler Longline-Shot, sie hat den Ball einfach nicht richtig getroffen, und der w├Ąre auch unterhalb des Meeresspiegels noch ins Aus gegangen, mal abgesehen davon, dass Phil Dalhausser den nicht mehr h├Ątte ber├╝hren k├Ânnen…und der Schiedsrichter pfeift “touch”! 0:1. Ich geh auf ihn zu: “Are you serious?”…gelbe Karte, Spielverz├Âgerung. Daraufhin geht Laura auf ihn los…rote Karte. Zack 0:2.

Nach dem Spiel erkl├Ąrte mir ein Schiedsrichter, wir haben keine Entscheidungen mehr in Frage zu stellen und k├Ânnen uns ├╝berlegen, wie wir die 12 Sekunden nutzen. Ob wir uns vor dem Aufschlag konzentrieren wollen oder die Taktik mit dem Partner besprechen, da m├╝ssten wir uns schon entscheiden…

Und Brasilia war zumindest auch “Brandblasen-zwischen-den-Zehen-hei├č”, sodass wir in jedem Spiel mindestens eine Verwarnung, wenn nicht eine gelbe Karte bekommen haben. Was aber gar nicht so schlecht war, denn das musste ja im Spielberichtsbogen vermerkt werden und brachte uns dann nochmals ein paar Sekunden…

In Sanya, bei 38 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit war’s die H├Âlle, vor allem nach einer 50 Stunden Reise und mit einem 12-Stunden-Jet-Lag. Da war der ein oder andere Kollaps vorprogrammiert, und auch mein Gen-Pool hat mir deutich zu verstehen gegeben, dass von diesen Bedingungen nichts im Vertrag stand…

Gut an Shanghai war, dass es nicht mehr so hei├č war. Auch, weil ich keine sauberen kurzen Sachen mehr hatte. Schlecht war, dass ich mir dann gleich eine dicke Erk├Ąltung eingefangen habe. Auch ansonsten war nicht sehr viel “sauber” in Shanghai. Lange hatten wir ├╝berlegt, ob wir ├╝berhaupt hinfahren sollen, da es noch nicht mal 2000km von Fukushima entfernt liegt und ├╝ber die Luft und das Wasser der Weg nicht allzu beschwerlich ist. Die Quellen, die wir finden konnten, rieten uns aber zumindest nicht davon ab und so sind wir hin. Au├čerdem gab es, wie schon der Vorwoche in Sanya, das Problem mit dem Fleisch… Die Massentierhaltung wird in China nicht sonderlich gut ├╝berwacht, und so werden die Tiere so mit Hormonen vollgestopft, dass man bei deren Verzehr eine positive Dopingprobe mit dem Hormon Clenbuterol riskiert. Einem Tischtenniskollegen war das vor einigen Monaten passiert, daraufhin wurden in einer Stichprobe 23 von 28 deutschen Gesch├Ąftsleuten nach einem China-Aufenthalt positiv auf Clenbuterol getestet. Die duften am Montag dann aber trotzdem ins B├╝ro, f├╝r uns w├Ąre dann erstmal Schluss…

Foto privat: "Das h├Ąssliche Gesicht der Beach World Tour" - Blick aus dem Hotelzimmer in Shanghai.

Und was Luft und Wasser angeht, seht selbst. Mein “Meerblick” aus dem Zimmer: Aber da wir ja neuerdings alle Gr├╝ne w├Ąhlen, wird bald alles gut. In diesem Sinne, fahrt ├Âfter mal mit dem Fahrrad, jetzt wo uns die Klimaerw├Ąrmung 30 Grad Anfang Mai beschert…

Gehabt euch wohl!
Die Sara

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>